Die Linien sind freiFernbusmarkt: Seit 2013 ist der Fernbusverkehr in Deutschland liberalisiert. Die ersten Busse rollen bereits und das Klima in der mittelständisch geprägten Branche wird zunehmend frostig. I m deutschen Personenverkehrsmarkt kommt Bewegung auf. Der Linienfernverkehr ist seit diesem Jahr liberalisiert. Nahezu 80 Jahre lang waren deutsche Straßen für Linienbusse tabu. Auf den Strecken, auf denen eine Zugverbindung bestand, hieß es während dieser Zeit „Stopp“ für Fernlinienbusse. Sinn der Übung war, die Bahn vor Wettbewerb zu schützen. Fernbuslinien wurden laut dem Gesetz aus den 1930er-Jahren nicht genehmigt, wenn es gleichzeitig eine Zugverbindung gab. Ausge- nommen waren nur Strecken, auf denen ande- re Verkehrsträger deutlich langsamer oder teu- rer als Fernlinienbusse waren. 2010 wendete sich dann das Blatt. Das Bundesverwaltungsgericht hielt es für ausreichend, dass allein ein erheb- lich geringerer Reisekostenpreis genügt, um ei- ne Fernbuslinie zu rechtfertigen. Nach monate- langen Verhandlungen einigten sich dann die Bundesregierung, die Länder und die Bundes- tagsfraktionen von CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen auf einen gemeinsamen Entwurf zur Novellierung des Personenbeför- derungsgesetzes. Teil dieser Einigung ist die Freigabe des Fernli- nienbusverkehrs ab dem Jahr 2013. Gegen En- de des vergangenen Jahrs verabschiedeten Bundestag und Bundesrat die Gesetzesnovelle. Uneingeschränkt freigegeben ist der Fernbus- linienverkehr aber auch heute noch nicht. Wer Fernbuslinienverkehr anbieten will, braucht ei- ne Lizenz vom zuständigen Regierungspräsi- dium des jeweiligen Verwaltungsbezirks. Seit Kurzem werden die ersten Anträge bearbeitet. Zudem müssen die Städte, die von den Fern- linienbussen angefahren werden, zustimmen. „Der Fernbus könnte Deutschlands sozials- tes Fernverkehrsmittel werden, weil er Mobilität zum kleinen Preis bietet“, sagte Dr. Kay Linde- mann, Geschäftsführer des Verbands der Auto- mobilindustrie (VDA), beim Symposium „Bus linienverkehr – mehr Mobilität/weniger Verkehr“ auf der Nutzfahrzeug-IAA 2012 in Hannover. Diese Einschätzung teilt auch der Internationale Bustourismus-Verband (IBV). Laut dem Verband ist der Fernreisebus insbesondere für Jugend liche und Senioren interessant. 59 Prozent aller Busreisenden seien derzeit über 60 Jahre alt, das zweite wichtige Segment stellten mit 17 Prozent junge Kunden dar. Um mehr Kunden zwischen 30 und 60 Jahre anzusprechen, müsste die Bran- che den Ruf des Busses aufbessern. „Der Bus hat kein sexy Image“, erklärt IBV-Präsident Richard Eberhardt. Der Verband sieht vor allem die Un- ternehmer in der Pflicht, die Wahrnehmung ih- rer Busse zu verbessern. Eine weitere Maßnahme seien komfortablere Terminals. An Interesse am Fernbusmarkt mangelt es je- denfalls nicht. Nach Angaben des Bundesver- Text: Andreas Wolf | Fotos: Archiv lastauto omnibus 4/2013 [ 10 ] Märkte | Liberalisierter Fernbusverkehr