Die Fernbus-profisBusbahnhof Istanbul: In Deutschland gehen Fernbusse erst an den Start, in der Türkei sind sie Träger des Fernverkehrs. Mittelpunkt ist der faszinierende „Otobus-Terminal“ in Istanbul. D as Gewimmel ist atemberaubend: In der Hochsaison fahren am Busbahnhof Istan- bul täglich bis 3.000 Omnibusse mit rund 150.000 Passagieren ab. Im Jahresdurchschnitt sind es jeden Tag 2.100 Abfahrten mit 90.000 Fahrgästen – ein Volumen ähnlich dem großer europäischer Flughäfen. „In Spitzenzeiten ist es sehr voll“, untertreibt der türkische Unterneh- mer-Verbandspräsident Mehmet Erdogan, „es ist wie in einem Bienenstock, ein ständiges Kom- men und Gehen.“ Die Türkei ist ein Omnibus- Vorzeigeland. Zwar hat der Staat in den vergan- genen Jahren Flugverbindungen und schnelle Eisenbahnen gefördert, doch die Hauptlast des Personen-Fernverkehrs ruht nach wie vor auf Omnibussen. Im Vergleich zum etablierten Standard der Türkei wirken die Anfänge der Fernbuslinien in Deutschland niedlich. In der Türkei verfügen 330 Busunternehmen über die notwendige D1- Lizenz für nationale Fernlinien. Sie betreiben zu- sammen 7.500 Omnibusse aller Marken. Darun- ter viele Superhochdecker der Spitzenklasse wie Mercedes Travego, Neoplan Starliner oder Set- ra Top-Class. Aber auch zahlreiche einfachere Hochdecker sind unterwegs. Anbieter Nummer eins ist das Unternehmen Metro Tourism mit ei- nem stattlichen Fuhrpark von 1.500 Reisebussen. Aber auch kleine mittelständische Betriebe tum- meln sich in diesem Geschäft. Es geht gnadenlos zu: Allein 50 Unternehmen be- dienen die Strecke zwischen Istanbul und der Hauptstadt Ankara. Die Preise für die etwa 450 Kilometer lange Strecke (Luftlinie rund 350 Kilo- meter) schwanken zwischen umgerechnet rund 15 bis 20 Euro. Die Fernbusse fahren in der Tür- kei rund um die Uhr, legen im Jahr bis zu 300.000 Kilometer zurück. Am Busbahnhof Istanbul docken sie an den 168 Bussteigen des sechseckigen Gebäudekom- plexes an. Drinnen nehmen eine Bahnlinie, Stadt- busse und Pkw die angekommenen Fahrgäste auf und bringen neue herbei – der Busbahnhof ist hervorragend angebunden, einschließlich des nahe gelegenen Flughafens Istanbul. Nur 15 Minuten bleiben, so haben es die Pla- ner kalkuliert, nach der Ankunft eines Omni- busses zum Aus- und Einsteigen, zum Auffüllen der Vorräte, dann geht es weiter. Sind Wartungs- arbeiten oder Reparaturen zu erledigen, rollen die Reisebusse über Rampen ins Untergeschoss. Dort werden sie von einer der 23 Werkstätten in Empfang genommen. Für die Fahrgäste gibt es in Text & Fotos: Randolf Unruh lastauto omnibus 9/2013 [ 92 ] Fahrzeuge | Busverkehr in der Türkei