E s muss Besonderes geschehen sein, wählt ein handfester Versuchsleiter wie Martin Zeilinger von Daimler Buses solche For- mulierungen: „Beim Zieleinlauf am Freitag hat der Himmel geweint, doch die Gesichter haben gelacht.“ Der Record Run hatte ihn gepackt: In fünf Tagen bewiesen fünf Busse von Mercedes und Setra über 18.000 Kilometer, was die neue Generation mit Abgasstufe Euro 6 kann. Es muss der Bus-Hersteller erfunden werden, der erklärt, beim Dieselverbrauch dürftig abzu- schneiden. Wenn alle sagen, sie sind prima – wer ist‘s wirklich? Die Antwort von Daimler Buses heißt Record Run. Nach Vorbild des Lkw-Wett- laufs mit demActros traten Omnibusse nach Eu- ro 6 gegen Euro 5 an. Und weil man zwei Marken hat sowie frische Stadt- und Reisebusse, mussten sich Mercedes Citaro und Setra Comfort-Class 500 mit ihren Vorgängern auseinandersetzen. Seit dem Lkw-Test weiß man: Nutzfahrzeuge nach Euro 6 können sparsamer sein als jene nach Euro 5. Doch rechnet sich der viel zitierte Mehr- preis von rund 10.000 Euro? Zeilinger ergänzt, dass parallel zum Sinken der Emissionen der Dieselpreis steigt: „Wir brauchen eine Antwort.“ Die Entwickler haben sich dafür tüchtig ins Zeug gelegt. In den neuen Karossen stecken neue Motoren, aktualisierte Getriebe, teils län- gere Achsen, leichtere Aufbauten und Ausstat- tungen. Hinzu kommen beim Citaro konsequent auf niedrigen Verbrauch getrimmte Nebenagg- regate und beim Setra eine ausgetüftelte Aero- dynamik. In Konsequenz sagen die Ingenieure für den Citaro einen Minderverbrauch von drei bis fünf Prozent voraus, beim Setra von fünf bis sechs Prozent. Was zu beweisen war. Zu diesem Zweck zog Daimler drei Mercedes Citaro und zwei Setra Comfort-Class 500 zusam- men. Serienmodelle, wie Zeilinger betont, keine hochgezüchteten und auf Verbrauch getrimm- ten Spezialausführungen. Jeweils rund 10.000 Ki- lometer eingefahren, beladen und auf gleichen Reifen unterwegs. Der Citaro mit dem neuen OM 936 mit 7,7 Liter Hubraum und 220 kW (299 PS) Leistung musste sich mit zwei Vorgängern herumschlagen. Da wäre das Modell mit dem gleichstarken Zwölf-Liter-Diesel OM 457. Und ein weiterer mit dem OM 906, mit 6,4 Litern kom- pakt und 210 kW (286 PS) stark. Der Motor hat zwar weniger Mumm, auf leichteren Strecken aber Verbrauchsvorteile gegenüber dem großen Diesel. Identische Achsübersetzungen und Eco- life-Getriebe sicherten gleiche Startbedingungen. Der zweiachsige Setra S 515 HD hatte es mit seinem Vorgänger Setra S 415 GT-HD zu tun. Im Heck arbeitet dort der Sechszylinder OM 457 mit zwölf Liter Hubraum und 315 kW (428 PS). Die gleiche Leistung holt der neue OM 470 im 515er aus nur 10,7 Liter Hubvolumen. Gleiche Überset- zungen und das automatisierte Powershift-Ge- triebe sicherten identische Voraussetzungen. Alle Omnibusse waren vergleichbar bela- den, angelehnt an Vorgaben der Tests von last- auto omnibus: halbe Nutzlast im Citaro, im Setra Text: Randolf Unruh | Fotos: Daimler Fünf Omnibusse von Setra und Mercedes lieferten sich ein spannendes Verbrauchs-Wettrennen über zusammen 18.000 Kilometer. Auf Rekordjagd Record Run 2012: Fünf Tage, fünf Omnibusse, 18.000 Kilo- meter, eine präzise Vorberei- tung, akribische Kontrollen – Der Record Run Euro 6 gegen Euro 5 mit Mercedes Citaro und Setra Comfort-Class 500. [ 12 ] spezial | Record Run