100 Kilogramm pro Platz, gleichbedeutend mit 18 Tonnen Gesamtgewicht der Zweiachser. 20 Fahrer lenkten in Tag- und Nachtschichten, an Bord jeweils eine Zweierbesatzung. Alle zwei Stunden wechselten sie sich ab. Getauscht wur- den auch täglich die Fahrzeuge, was den Ein- fluss unterschiedlicher Fahrweisen ausglich. Die Wettfahrt firmierte als begleitetes Fahren: Dek- ra-Ingenieure plombierten Klappen und Türen, Technik und Tanks der fünf und waren beim Tan- ken stets vor Ort. Sprit wurde an immer gleichen Tankstellen in markierter Position und nach fest- gelegten Kriterien gebunkert, Schummeln ausge- schlossen. Nicht nur die nachgetankten Mengen wurden penibel notiert, zusätzlich verfolgten Kraftstoff-Messgeräte den Verbrauch und Fleet- board zeichnete alle Bewegungen der Busse auf. Daimler meint es ernst. Omnibus-Chef Hart- mut Schick: „Wir sind stolz, dass wir als ers- ter Hersteller Euro-6-Omnibusse auf die Stre- cke gebracht haben.“ Und er legt mit Blick auf den Verbrauch nach: „Wir wollen der Maßstab sein.“ Hier wäre also ein Bushersteller, der klar und völlig unbescheiden erklärt, dass er der Bes- te beim Kraftstoffverbrauch ist. ■ Im grünen Bereich Dekra-Sachverständiger Albrecht Beck aus Mainz nennt die Aufgabe: „Verhindern, dass unbeobachtet Kraftstoff zugeführt wird und vermeiden, die Beladung zu verändern“. Also untersuchten die Ingenieure die Fahr- zeuge, legten Fahrgasttüren still, versiegel- ten Klappen und Türen. Selbst Kraftstofflei- tungen am Unterboden wurden plombiert. Ein deckenhohes Gitter sicherte den Ballast im Innenraum des Citaro vor Schwund. Bei jeder Tankung kontrollierten Dekra-Mitar- beiter den exakten Stand der Fahrzeuge und das Auffüllen bis zu den definierten Markie- rungen. Becks Fazit: „Es gab keinerlei Ein- flüsse auf die Siegel und Plomben. Der Test ist nach unserem Ermessen ordnungsgemäß durchgeführt worden.“ „Verbrauch im kundennahen Einsatz statistisch abgesichert“ Martin Zeilinger, Versuchsleiter Daimler Buses, über den Record Run. ?: Warum ein Record Run mit Omnibussen? Zeilinger: Wir haben zwar eigene Messfahrten unternommen, wollten aber demonstrieren, wie sich der Verbrauch in einem kundenna- hen Einsatz statistisch abgesichert darstellt. ?: Ist die Citaro-Strecke besonders leicht? Zeilinger: Nein, unsere Werte weichen nur um wenige Zehntel von den Gesamtverbräuchen in Wiesbaden ab. ?: Warum zwei Strecken für die Reisebusse? Zeilinger: Die Tag- und die Nachtroute differie- ren in Streckenführung, den Höhenmetern und den daraus resultierenden Verbrauchswerten. ?: Also dürfen Unternehmen mit einem Verbrauch von knapp über 20 Litern rechnen? Zeilinger: Als Absolutwert kann ich dies nicht stehen lassen. Es geht um die Relation, sie wird in dieser Größenordnung bleiben. ?: Wie waren die Omnibusse vorbereitet? Zeilinger: Wir haben die Aggregate nicht spezi- fisch eingestellt, geschweige denn getunt. Es handelt sich um Serienaggregate. Wir haben auch keine besonderen Betriebsstoffe genutzt und identische Reifen verwendet. ?: Keine abgeschälten Reifen und Superöle, damit das Ergebnis schön aussieht? Zeilinger: Nein, die einzige Vorbereitung be- stand im Einrollen der Omnibusse. ?: Schneiden die neuen Omnibusse so gut ab, weil die Vorgänger viel Kraftstoff verbrauchen? Zeilinger: Wer sich in der Szene auskennt, der weiß, dass wir sowohl beim Stadt- als auch beim Rei- sebus zu denen mit dem niedrigsten Ver- brauch gehören. Deshalb ist es umso besser, dass wir den Mehrpreis für Euro 6 über den Le- benszyklus durch diese sehr guten Verbrauchs- werte kompensieren können. Martin Zeilinger, Versuchsleiter. lastauto omnibus 1-2/2013 spezial | Record Run [ 13 ]