quem auf einer Ablage, der rechte aber muss das Gaspedal ertasten. Das Lenkrad mit dickem Le- derkranz liegt gut in der Hand. Weniger über- zeugen die Spiegel: Die Zusatzgläser geben gu- te Sicht nach schräg hinten, doch die vorderen Ecken und der Bereich vor dem Bus liegen außer- halb des Blickfelds. Viseon bietet eine Alternati- ve, allerdings sind dann die Spiegelarme nicht klappbar, weshalb geht nicht beides? Bei Antrieb und Fahrwerk setzt Viseon auf be- währte aber verfeinerte Komponenten. Im Heck arbeitet der MAN D26 mit 440 PS, ein durch- zugsstarker und geschmeidiger Bulle, der Nied- rigdrehzahlen verträgt. Von Hause aus laufruhig, grummelt der Diesel unter Last bei etwa 1.200 bis 1.300 Touren vernehmlich. Gekoppelt ist der MAN mit einer AS-Tronic, für Viseon fein abge- stimmt. Es gibt schneller schaltende Getriebe, doch der Komfort verblüfft. Auch nutzt die Tech- nik gern die stämmige Natur des Motors. Dass der Testwagen im Verbrauch mäßig abschnitt, ist ihm nicht anzukreiden: Besohlt mit Winter- reifen und den ganzen Tag schwere feuchtkühle Luft einatmend, hatte er’s nicht leicht. Was die Technik vermag, zeigte sie auf der deftigen Teststrecke: Hier stempelte der Viseon eine tolle Zeit in den Asphalt. Umgekehrt kommt er auch gut zum Stehen, der Retarder arbeitet watteweich und gleichzeitig bissfest. Die Fuß- bremse hat Pedalgefühl, der Bremsomat handelt ruckfrei. Bei Gefälle auf der Autobahn hält der Dauerbremslimiter den Bus zuverlässig im le- galen Bereich ohne Eintrag auf der Fahrerkarte. Ruppige Überlandetappen jucken das Fahr- werk wenig. Der Viseon rollt auf ZF-Achsen und ist auf Komfort getrimmt. Selbst über grobe Unebenheiten schwebt er gelassen, Fahrerplatz und Fahrgastraum sind entkoppelt von rüdes- ten Fahrbahnen. Den sanften Charakter erzielt Viseon unter anderem durch Verzicht auf Stabis. Folge ist eine deutliche Seitenneigung des Hoch- deckers in schnellen Kurven. Wird der Fahrer übermütig, zupft das ESP kurz, um bei vehemen- tem Fahrstil einzugreifen, bevor Schaden droht. Ein weiteres Lob verdient sich die Lenkung. Sie arbeitet zielgenau und findet das richtige Maß zwischen Leichtgängigkeit und Straffheit. Der wahlweise Spurassistent warnt zuverlässig vor dem Abkommen von der Fahrbahn, ein Ab- standsregler folgt im Laufe 2013. Trotzdem weiß der Viseon C12 HD, wo’s lang- geht, von wegen Stochern im Nebel: Er geht in lausigen Zeiten an den Start, zeigt aber hervor- ragende Anlagen. Ist so anders, dass er neugie- rig macht. Und in seiner Technik so vertraut, dass sich das Risiko in engen Grenzen hält. ■ Aufgeräumter Fahrgastraum mit ebenem Boden und viel Stehhöhe. Kleine Gepäckablagen. Fein eingekleidete Heckeinbauten. Dachkuppel vor dem stillen Örtchen, drinnen wenig Platz. Was für ein Rücken: Die Kehrseite des jungen Hochdeckers ist überaus ansehnlich. Die Hecktür ist typisch für Viseon, Vorausset- zung für feine Einbauten. Die Höhe ist so lala. Meinung Er ist flott wie ein Südeuropäer, aber solider gebaut. Er stammt von einer jungen Marke, ist aber geprägt von viel Busverstand. Gut, dass Viseon auch den Fahrer nicht vergisst: At- traktives Cockpit, gekonnt abgestimmtes Getriebe, feinfühlige Lenkung, hoher Fahrkomfort, geschickte Stauräume – das hat was. Den Viseon mag man einfach. Und sind Reisebusse für ihren Fahrer nicht ebenso so wichtig wie die Part- nerin? Auch bei ihr schaut man ja großzügig über kleine Schwächen hinweg. Mit diesen Anlagen hätte sich der Viseon C12 HD als interessante Alternative zu den großen An- bietern etablieren können. Heute wissen wir, dass die Kapitaldecke nicht gereicht hat. Randolf Unruh, Testredakteur lastauto omnibus 1-2/2013 [ 26 ] Fahrzeuge | Viseon C12 HD