rampe sicherten beim Testwagen einen schnellen Fahrgastfluss. Die konkav geformte, helle Mit- teldecke macht zusammen mit den verglasten Dachluken einen angenehm hellen Eindruck. Da- zu passen die konvex geformten Verkleidungen der Dachkanäle. Beim Vorführwagen überzeug- ten sie mit einem dezenten Dekor aus grauen Streifen, mittendrin verziert mit einem weite- ren orangenen Streifen. Auf den Fahrgastplätzen von Ster sitzt es sich an- genehm, zumal dank der Vollpolsterung. Die hellen Seitenwände des Gelenkbusses verklei- dete Solaris mit einem leicht geriffelten Mate- rial – das wirkt wertvoller als eine einfache glatte Oberfläche. Die helle Ausstattung führt dazu, dass man sich Experimente mit durchschei- nenden Faltenbälgen sparen kann. Einen lobenden Hinweis ver- diente sich nicht zuletzt die Ver- arbeitung des Testwagens: Auch auf eher schlechten Fahrbahnen blieb der Gelenkbus geradezu verblüffend ruhig. Und die Berliner Luft? Sie wird durch neue Solaris-Busse nach Ab- gasstufe Euro 6 sauberer denn je. ■ Bestens angezogen: auf Landpartie im Solaris Interurbino Wie ein Schiff auf hoher See stampft der Über- landbus über die Landstraßen von der Solaris- Dependance in Berlin-Adlershof in die Außenbe- zirke Richtung Bahnhof Erkner. Die Asphaltdecke ist zwar fit, darunter aber verbergen sich gemei- ne Wellen. Links und rechts recken sich narbige Alleebäume, die enge Strecke ist bei Gegenver- kehr nicht ungefährlich. Der Interurbino steckt die Wogen weg, der So- laris ist straff, aber nicht unkomfortabel gefedert. Der Bus – in zweiter Generation ein Jahr alt – kommt allmählich in Tritt, auch seine Fahrt in die Zukunft verlief bisher mit Höhen und Tiefen. Dabei lohnt sich ein Blick auf den Solaris: Au- ßen ist er gut angezogen, auch drinnen hat er Pfiff mit Kuppeldecke, gläsernen Gepäckablagen und filigranen Halterungen, Haltestangen in Edel- stahl, Abschrankungen aus Glas. Die optionalen Service-Sets enthalten Nachtbeleuchtung, Dü- senbelüftung und LED-Leselampen. Zwei LED- Ketten leuchten das Interieur ebenso dezent wie effektvoll aus. Mit 860 Millimeter Bodenhöhe entspricht der Solaris dem klassischen Überland maß. Zuwachs ist nicht vorgesehen, weder ein Low Entry noch ein Hochbodenbus. Für den hohen DAF MX 11 hat Solaris den Boden im Heck angehoben. Die Podeste haben einen Versatz – das verhindert gleichzeitig stö- rende Radkästen im Heck – und zur Rückbank führen zwei Stufen. Mit einem geklebten Sand- wichboden egalisiert Solaris das Mehrgewicht. Nicht überall muss der bullige DAF her, im Flachland tut’s auch der Cummins mit 6,7 Litern. Er leistet hier 231 kW (314 PS), sein Drehmoment erreicht 1.100 Nm. Wo ein großer DAF hinein- passt, fühlt sich der Cummins fast verloren. Der Kühler ist nun rechts angeordnet. Vorn wie hin- ten prima ist die Zugänglichkeit für den Service. Solaris koppelt den Cummins wahlweise mit ZF- Schaltgetriebe, ZF-Ecolife oder Allison-Automatik. Dem Allison-Getriebe im Testwagen fehlte es in- des noch an passender Programmierung. Mit kurzer Achse – bei Tempo 100 etwa 1.750/ min – startet der Interurbino flott. Der drehfreudi- ge Motor mit hoher Nenndrehzahl von 2.300 Tou- ren unterstreicht sein Temperament durch eine kernige Geräuschkulisse. Tipp: auf jeden Fall die optionale dickere Geräuschisolation ordern. Der Fahrer hinter seiner Glasscheibe merkt davon nicht viel. Er sitzt recht tief hinter dem Actia-Cockpit im standardisierten VDV-Stil. Die Bedienung erfordert wenig Mühe, am Interurbino ist nicht viel dran. Nur die elektrisch angetriebe- nen Türen knallen etwas lautstark zu. Ein vernünftiger Bus mit Pfiff also, einer für Praktiker, der auch rüdere Strecken wegsteckt wie etwa wellige Landstraßen rund um Berlin. Das schlichte Heck ist markentypisch platt wie eine Flunder, dahinter aber steckt der wuchtige DAF-Motor. Mit viel Glas, Metall und der hellen Decke hat der Fahrgastraum einen frischen Auftritt. Der Cummins wirkt im Heck fast etwas einsam. lastauto omnibus 11/2013 [ 118 ] Fahrzeuge | Solaris Urbino 18