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lastauto omnibus bus & coach SONDERAUSGABE

Solaris zwar nicht unbedingt um einen Leisetre- ter, aber seine hohe Laufkultur und das weiche Einspritzgeräusch geben dem Common ­Railer im Heck einen sehr verträglichen Charakter. Dazu passt ideal das sanftmütige Voith-­ Getriebe. Es zeichnet sich nach Art des Hauses durch weiche, fast gleitende Schaltungen aus. Alternativ steht wie gewohnt das sechsgängige Menü namens ZF-Ecolife zur Verfügung. Mit einem Fliegengewicht hat man’s beim DAF allerdings nicht zu tun. Zunächst kostet die stehend in Turmbauweise hinten links ein- gebaute Maschine einiges an Platz: Die umfang­ reiche Peripherie umfasst einen ausladenden Kühler und die großvolumige Abgasanlage für Euro 6. Nebenan in der letzten Reihe bleibt nur Raum für einen Einzelsitz und eine Mutter- Kind-Ausführung. Das Trumm im Heck wiegt überdies 350 Kilogramm mehr als der bisheri- ge ­Urbino-Antriebsstrang mit dem vergleichs- weise zart ­gebauten DAF-PR-Motor. Dies stört vor allem, weil Gelenkbusse von Haus aus unter Überlast auf der dritten Ach- se leiden – zusätzliche Kilos im hinteren Über- hang sind deshalb doppelt unangenehm. Auch den Solowagen von Solaris wird das Gewichts- problem treffen, dort allerdings können Käufer auf den etwas schmalbrüstigen Cummins-Motor mit 6,7 Liter Hubraum ausweichen. Man wird mit dem Gewichtsthema zunächst leben müs- sen, Abhilfe wird es erst in einem Jahr in Gestalt eines rundum neuen Urbino geben. Vermutlich wird er dann ebenfalls einen leichten Sandwich- boden erhalten wie der aktuelle Interurbino mit Euro 6 (siehe Kasten auf der Folgeseite). Bei dieser Gelegenheit könnten sich die Entwick- ler auch gleich des Cockpits annehmen, das in einigen Details ein wenig in die Jahre gekom- men ist. Das liegt nicht nur am VDV-Cockpit der ­Vorgängergeneration im Testwagen. Fahrer kla- gen zwar nicht über Platzmangel, auch gibt die Bedienung keine Rätsel auf. Geschicktere Abla- gen in Reichweite würden dem Solaris aber gut stehen, auch ein geschlossenes Fach für die Feu- erlöscher. Ebenso ein eleganterer Öffner der Ka- binentür auf der Innenseite. Die zweite Türklin- ke auf der Außenseite verwundert ­an­gesichts der Sicherheitsdiskussionen – zumal hier eine halbe Scheibe den Fahrer separiert –, sie ist aber abwählbar. Gut gelöst ist die Ausführung des Fahrer­ fensters mit einer Doppelverglasung. Sie ist ­sowohl optisch als auch technisch angenehmer als die klassische Heizscheibe mit ihren dicken Drähten. Der Schiebeteil des Fensters ist nicht sehr groß, er wird mechanisch betätigt. Lob verdient sich das Fahrwerk. Solaris ver- wendet schon lange an der Vorderachse eine ZF- Einzelradaufhängung. Das bedeutet guter Fede- rungskomfort, Fahrstabilität und eine präzise und ruhige Lenkung auch bei Spurrillen. Bemer- kenswert beim Testwagen war auch die geringe Wippneigung des Vorderwagens. Nur die Bremse des langen Solaris ließ Wün- sche offen: Sie sprach giftig an, war entsprechend schwer zu dosieren. Das würde im richtigen ­Leben unweigerlich zu berechtigten Beschwer- den der Fahrgäste führen. Den Fahrgastraum hat Solaris in gewohnter Weise freundlich gehalten. Gleich vier nach in- nen schwenkende Doppeltüren plus eine Klapp- Motorenlieferungen: alle Jahre wieder ... Geschichte wiederholt sich: Vor 30 Jahren verweigerten Mercedes und MAN den seinerzeit unab- hängigen Marken Neoplan und Setra Motorenlieferungen für die damaligen Standardbusse – man wollte nicht die Konkurrenz heranfüttern. Nun hat MAN die Belieferung an den Linienbus-Spezialis- ten Solaris eingestellt, obwohl schon erste Euro-6-Triebwerke in Polen angekommen waren. Solaris konnte soeben noch einen Auftrag über elf Busse abwickeln – ausgerechnet für die Münchner ­Verkehrsgesellschaft MVG –, dann war die Geschäftsbeziehung schon wieder beendet. Jetzt setzt Solaris auf DAF und Cummins. Schon bisher laufen rund 90 Prozent der 2.000 in Deutschland verkauften Solaris-Omnibusse mit DAF-Motoren, erläutert Vorstand Martin Gruber. „Wir haben größeren Erfolg, wenn wir unabhängig sind.“ Zum Einsatz kommt der DAF MX 11 mit 10,8 Liter Hubraum in drei Varianten von 210 kW (286 PS) bis 271 kW (369 PS). Dazu der Cummins ISB mit 6,7 Litern für leichte Einsätze mit 187 kW (254 PS) bis 231 kW (314 PS). In diesem Jahr steuert Solaris mit knapp 1.300 Omnibussen auf einen Rekord zu. Mit einer ­neuen Rohbaufertigung soll die Kapazität mittelfristig auf 1.500 Busse steigen. Hauptexportmarkt ist Deutschland. Hier hat sich Solaris bei Stadtlinienbussen eine stabile Position als Nummer drei hinter Mercedes und MAN erarbeitet. Im vergangenen Jahr belief sich der Anteil auf 12,9 Prozent. Weiteren Schub soll der neue Urbino bringen, er feiert auf der IAA im kommenden Jahr Premiere. Er wird dann durch konstruktive Maßnahmen auch die 350 Kilogramm Mehrgewicht des wuchtigen DAF-Motors egalisieren, verspricht Solaris.Was bleibt, ist die markante asymmetrische Frontscheibe. Ein Jahr später erweitert die Marke ihr Programm um einen Doppelgelenkbus mit 24 Meter Länge. Alle Jahre wieder – das gilt auch für Neuigkeiten von Solaris. 1 Das Heck des Urbino 18 wirkt recht aufgeräumt, der Kühler ist oberhalb der bärenstarken Maschine angeordnet. 2 Der Platz links im Heck ist für den Motor reserviert. Wichtiger ist aber die ­Zunahme des Gewichts um 350 Kilo durch die ­Aggregate für Euro 6. 2 1 lastauto omnibus 11/2013

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