also wechselt das Getriebe an sinnvollen Stellen in Neutralstellung. Dann rollt der Bus mit 100 Sachen dahin, die Nadel des Drehzahlmessers aber steht für lange Sekunden auf 600 Touren, ein „E“ erscheint statt des gewählten Gangs im Display. Das Zusammenspiel ist faszinierend, da in seinem steten Wechsel nahezu unmerklich: mal Schubbetrieb und mal Segeln im Leerlauf, mal vorausschauend Schwung holen oder gar Zurückschalten – alles abgestimmt auf minima- len Spritverbrauch bei souveränen Fahrleistun- den Setra in einen üppig verglasten Wintergar- ten. 10.000 Euro Aufpreis kostet der Luxus, gut angelegtes Geld. Zumal das Mehrgewicht von rund 150 Kilogramm beim Dreiachser keine Rolle spielt. Dass die Seitenscheiben wegen der Querstrombelüftung im Vergleich zur Comfort- Class 90 Millimeter nach unten gerutscht sind, hat angesichts der Dachverglasung kaum Bedeu- tung. Zumal Fahrgäste aus der Warte einer Top- Class ohnehin auf den Rest der Omnibuswelt hinabsehen. Nur das Scheppern der schicken op- tionalen Rollos könnte man noch eindämmen. Beim Abschied lohnt es sich, erneut den kunstvollen Schlüssel mit der Fernbedienung zu betätigen. Noch einmal zwinkert die neue Setra Top-Class freundlich mit den Augen. ■ Setra Top-Class S 516 HDH Kraftübertragung Automatisiertes Schaltgetriebe Mercedes GO 250-8 Powershift, acht Vorwärtsgänge, Übersetzungen 5,57-0,63. Einfach untersetzte Hinterachse Mercedes HO6, Übersetzung 3,58, alt. 3,91. Abmessungen und Gewichte Länge/Breite/Höhe 13.325/2.550/3.880 mm Radstand 6.300+1.350 mm Wendekreis 21.512 mm Überhang vorn/hinten 2.890/2.785 mm Fußbodenhöhe ü. Fahrbahn 1.590 mm Innenstehhöhe 2.100 mm Volumen Kofferraum 13,9 m³ Tankvolumen Diesel 520 l Tankvolumen Diesel 40 l Zul. Gesamtgewicht 24.000 kg Fahrwerk Vorne Einzelradaufhängung ZF, doppelte Dreieckslenker, zwei Luftfederbälge, zwei Stoßdämpfer, Stabilisator, zul. Achslast 7,1 t. Hinten starre Hypoidachse Mercedes RO 440, zwei Längslenker, aufgelöster Dreieckslenker, vier Luftfederbälge, vier Stoßdämpfer, zul.Achslast 11,5 t. Nachlaufachse mit Einzelradaufhängung, aktiv hydraulisch gelenkt, zwei Luftfederbälge, zwei Stoßdämpfer Stabilisator, zul.Achslast 5,75 t. Reifengröße 295/80 R 22,5. Bremsen/Lenkung Zweikreis-Druckluftanlage mit Scheibenbremsen rundum, elektronisch geregeltes Bremssystem EBS mit ABS,ASR, ESP, Bremsassistent. Dauerbremse Sekundär-Wasserretarder Voith, Motorbremse. Lenkung ZF 8098 Servocom, 17-21:1. Max. Radeinschlag Vorderachse 58 Grad, Nachlaufachse13 Grad. Sitzplätze Fahrgastplätze 50+1 Preis Testwagen ~385.000 Euro Motor Wassergekühlter R6-Zylinder Mercedes OM 471, stehend im Heck,Abgasturbolader und Ladeluftkühlung, elektronisch geregelte Einspritzung per Common Rail. Vier Ventile pro Zylinder.Abgasrückführung, SCR-Tech- nik mit Adblue-Einspritzung, Oxidations-Katalysator, Abgasstufe Euro 6. Hubraum 12.810 cm³ Bohrung/Hub 132/156 mm Leistung 350 kW (476 PS) bei 1.800/min Drehmoment 2.300 Nm bei 1.100/min gen. Den Verbrauchsvorteil der neuen Top-Class zum Vorgängermodell beziffert Setra mit sechs bis acht Prozent. Etwa zwei Prozentpunkte da- von entfallen auf PPC, abhängig von der Strecke. Was sonst noch auffällt: Die Lenkung arbeitet präzise, der mächtige Bus umkurvt Hindernis- se überraschend handlich – nur die Rückfahrka- mera hat jemand vergessen. Eine Fülle von As- sistenzsystemen ist stets bereit zum Eingreifen. Darunter Raffinessen wie zusätzlich zur Halte- stellenbremse eine Rückrollsperre: Sie hält den Bus mit dem zuletzt eingesteuerten Bremsdruck. Auffallend gering sind die Windgeräusche, ein Vorteil der extrem gewölbten Windschutzscheibe und der babypopoglatten Seiten. Von Vorteil ist in diesem Zusammenhang der Verzicht auf eine separate Fahrertür, erstmals bei einem Setra-Rei- sebus der feinen Klasse – hat’s jemand gemerkt? Zu spüren ist bei der ersten Proberunde indes ein straffes Abrollen der Vorderachse mit gewis- sen Poltergeräuschen. Ein paar Klicks durch die Tasten des Multifunktionslenkrads geben Auf- schluss: Zugunsten einer Tragfähigkeit von 7,5 Tonnen hat jemand den Reifendruck vorn auf deftige 9,2 bar gehievt. Die Fahrgäste weiter hinten reisen entlang der Côte d’Azur wie Gott in Frankreich. Die Hin- terachsen filtern Fahrbahnunebenheiten gelas- sen, fast scheint der Bus zu schweben. Hat der Setra Reisegeschwindigkeit erreicht, gurgelt der Motor dezent im Untergrund mit etwa 1.200 Tou- ren. Sind höhere Drehzahlen nötig, erhebt der Diesel deutlich seine Stimme. Ursache sind, so die Entwickler, noch nicht perfekt geschlossene Durchbrüche zum Motorraum beim Exemplar aus der Frühchen-Station der Setra-Fertigung. Angesichts der grandiosen Aussicht aber spielen Motorgeräusche nur eine Nebenrolle. Das neue breite Glasdach erstreckt sich fast über die gesamte Länge des Omnibusses, verwandelt Im Heck orgelt ein kraftvoller Sechszylinder. Dank PPC und Eco-Roll nimmt der Setra berg- ab manchmal kurz den Gang heraus. Die Hinterachsen filtern Fahrbahnunebenheiten extrem gelassen. lastauto omnibus 12/2013 [ 122 ] Fahrzeuge | Setra Top-Class 516 HDH