Genau hinschauen lohnt sich beim Intouro. Einzelscheinwerfer statt exklusivem Glasgehäu- se? Nicht elegant, aber sachlich kein Nachteil. Gleiches gilt für die Blinzel-Rücklichter ohne schmückende Verkleidung. Im Prinzip auch für die Außenspiegel: Sie kosten dank der dürren Arme als Ersatzteil pro Stück 150 Euro weniger als schicke Fühlerspiegel, da merken Flottenbe- sitzer auf. Doch zugegeben: Als Sonderausstat- tung stünden dem Intouro die Integro-Spiegel arme gut. Denn ansonsten ist die Verpackung des Busses identisch, wie auch Klappen, Fenster und das per Tauchlackierung grundierte Gerippe. Der Gepäckraum ist sogar etwas größer, denn die Batterien sind nach hinten in den Überhang ge- wandert. Macht anständige 4,75 Kubikmeter in der Ausführung mit Doppeltür. Nur eine Be- leuchtung des Untergeschosses haben die Ent- wickler vergessen. Vielleicht hat im Dunkeln deshalb keiner registriert, dass die Unterseite des Podestbodens aus unbehandeltem Sperrholz besteht. Der Intouro ist eben eine Spardose. Etwa auch für die Fahrgäste? Stimmt, die Innendecke ist einfacher, die Be- leuchtung simpel. Doch nicht vergessen, es handelt sich um einen Omnibus-Arbeiter. Den Luftkanälen sieht man die Verschraubungen an, doch Materialeindruck und Verarbeitung sind rundum tadellos. Gepäckablagen gibt’s nur ge- gen Aufpreis. Wer sich auskennt, entdeckt ihre Abstammung vom Integro-Vorgängermodell. Sie sind recht groß, der Boden ist durchbrochen. So bleiben keine Tasche und kein Regenschirm aus Versehen im Bus liegen. Nur die Befestigung mit stämmigen Rohren à la Haltestange wirkt recht rustikal. Die optionale Dachklimaanlage ist schwächer ausgelegt als im Reisebus. Macht nichts, so lange viele Überlandbusse ganz oben ohne auskommen müssen. Die serienmäßigen Passagiersitze sind von der straffen Sorte, auf Wunsch gibt es sie mit hoher Lehne, ein guter Tipp. Ein wenig mehr Komfort dürf- te es auf längeren Linien schon sein, im Katalog findet sich ebenfalls eine einfache Reisebus bestuhlung mit verstellbarer Rückenlehne. Der Testwagen fuhr mit einer Doppeltür in der Mitte vor, davor ein nicht ganz geräuschfreier Klapp- sitz, das Interieur passend für den Werksver- kehr. Gegenüber gibt es ein Wechselpodest für den klassischen Überlandbetrieb. Der wahlwei- se eingebaute Rollstuhl-Hublift überbrückt die flachen Stufen zum 860-Millimeter-Fußboden. Bitte einsteigen: Der leichte Integro kennt kei- lastauto omnibus 4/2013 Fahrzeuge | Mercedes Intouro [ 47 ]