mit Sprüngen von zwei Gängen hinauf bis Stu- fe neun, um dann Gang für Gang nachzulegen. Die Schaltungen erfolgen sanft, die Schaltpau- sen indes fallen lang aus. Dazu wählt das Ge- triebe trotz des bärenstarken Motors abseits der Autobahn nicht immer den niedrigsten mögli- chen Gang. Die Technik lässt den Diesel gern im mittleren Drehzahlbereich ackern. Das verhagelt dem von Hause aus sehr sparsamen Dreiachser zusammen mit dem Übergewicht eines Lifts ei- nen Bestwert im Verbrauch. Auf der Autobahn dagegen schlendert er bei 100 Sachen mit 1.200 Touren lässig dahin, schluckt verblüffend wenig Kraftstoff. Angemessen ist der Treibstoffvorrat von 500 Litern. Im Bauch des Testwagens glu- ckerten 860 Liter – mit Zusatzbehälter erinnert der Futura an einen Tankwagen mit Sitzplätzen. Fahrgäste erklimmen den Futura über relativ hohe Stufen – typischer Nachteil eines Reisebus- ses ohne Podeste. Die Treppe mündet nach einer Schwenkbewegung in einer Plattform. Als Halte- griffe dienen gebogene Stahlrohre, im Winter et- was handkalt. Die Trennwände zu den Sitzreihen sind mit Kunststoff beschichtet, die Tischkanten der ersten Reihe etwas scharfkantig – der Fu- tura verbirgt nicht seinen schlichten Charakter. Die Passagiere räkeln sich in straff gepolster- ten und langstreckentauglichen Sitzen der tür- kischen Marke Brusa. Der untere Teil der Leh- ne stützt den Rücken körpergerecht ab, oben gibt es Bewegungsfreiheit. Beim Zurücklehnen schwenkt das Sitzkissen ein wenig nach vorn, ruhende Fahrgäste rutschen nicht aus dem Sitz. Die hellen seitlichen Blenden sind arg schmutz- empfindlich, ein dunklerer Farbton wäre robus- ter. Wegen der recht hohen Gürtellinie empfeh- len sich wandseitige Armlehnen. Bei der Ausstattung setzt VDL auf Stoff im Sichtbereich und bevorzugt eine Handvoll de- finierter Farbwelten mit abgestimmten Tönen. Das passt zum weitgehend vorkonfektionierten Bus. Die Decke gestaltet VDL hell, das weitet den Raum. Die Service-Sets über den Köpfen der Pas- sagiere sind eher schlicht, die hellen LED-Lese- leuchten effektiv. Nebenan fallen die Gepäck- ablagen eher knapp aus. Zu den Vorzügen des Futura zählt die indirekte Beleuchtung in den Handläufen. Die Lampen leuchten die Innen- decke an, das ist ebenso dezent wie effektvoll. Der ebene Boden ist Diskussionsthema. 1,92 Me- ter Stehhöhe sind wenig, auch ist das Aufstehen beschwerlicher als bei Mittelgang mit Podesten. Zu den Vorzügen zählt die variable Ausstattung, beim Testwagen dokumentiert mit Lift im Heck und Platz für bis zu 15 Rollstühlen auf einem Schienensystem sowie Hecktoilette. Der Begriff des Reisens ohne Handicap erhält hier beson- dere Bedeutung. Der Lift plus Zusatzbatterien sowie der große Treibstoffvorrat kratzen an der Gewichtsbilanz des Testwagens. Wer darauf ver- zichtet, spart gegenüber dem Testwagen weit mehr als eine halbe Tonne und damit auch Sprit – VDL-Busse sind von Hause aus Leichtgewichte. Ein wenig gespart hat VDL auch an der Feinabstim- mung des Fahrwerks. Die Vorderachse ist bei längeren Bodenwellen komfortbetont, poltert in- des auf kurzen Unebenheiten und lässt Querfu- gen spüren. Über den Hinterachsen sitzt es sich straff, hier reagiert der Futura unwirsch auf un- gepflegte Straßen. Ursache ist unter anderem die starre dritte Achse. Fahrgäste sind vorn besser untergebracht. Dort freut sich der Fahrer über eine zielsichere Lenkung. Sie findet den richti- gen Kompromiss aus Leichtgängigkeit, Straffheit und Rückstellmoment. Der Retarder agiert et- was schlapp, aber die Fußbremse ist bestens do- sierbar. Nicht zuletzt profitiert der 14 Meter lan- ge Bus von einem unbeirrbaren Geradeauslauf. Und von einem günstigen Kurs: Den drei- achsigen Hochdecker liefert VDL bereits für rund 285.000 Euro. Da erschließt sich der Ver- zicht auf manche Feinheiten: Die dritte Achse ist nicht elektrohydraulisch gelenkt, die Ausstat- tung mit starren Videomonitoren, zwei Lichtma- schinen und vier Unterflur-Gebläseheizgeräten eher einfach gehalten. Kein Handicap für kos- tenbewusste Käufer. ■ Meinung Einfacher Inhalt in frischer Verpackung, überschaubarer Preis, fahrer- und service- freundliche Konstruk- tion – das Konzept des VDL Futura der aktuellen Generation. Das passt in Zeiten, in denen die Ausschläge extremer werden und in denen die Mittelklasse verliert. Viel Kapa- zität zum günstigen Preis ist das eine Plus des Futura, Flexibilität für besondere Ein- richtungen dank des ebenen Fußbodens das andere. Zum Gesamtpaket gehören einige Abstriche im Detail – der Futura ist mehr ein Fall für Rechner als für Feingeister. Randolf Unruh, Testredakteur 1 Stehhöhe und Handgepäckablagen des Futura sind eher knapp bemessen. 2 Der Fahrgastraum ist aufgeräumt und in der Einrichtung flexibel – der große Vorteil des ebenen Fußbodens im Futura. Schöner Rücken – die Kehrseite des Futura ist wohlgeformt und erinnert an den Magiq. 2 1 lastauto omnibus 4/2013 [ 44 ] Fahrzeuge | VDL Futura FDH2-139/460