ger, wenn ab 2016 durch die Inklusionsge setzgebung zwei Rollstuhlplätze vorgehalten werden müssen.“ Ein bedeutender Punkt der schnurgerade zum dritten Trend führt, der dem Doppeldecker sowie dem Superhochdecker mit Unterflurcockpit zu einer Renaissance ver helfen könnte. Beide Konzepte erlauben es, ohne großen Auf wand und teuren Lift ein oder zwei Rollstuhl plätze zu realisieren. Der Doppeldecker bietet zudem einen bequemen Niederflurzugang à la Stadtbus für Ältere oder Menschen mit Gehbe hinderung und ist zudem „Kapazitätskönig“ mit bis zu 82 Sitzplätzen. Unschlagbare Argumente für Fahrzeuge wie den in Würde gereiften Setra S 431 DT, den in diesem Jahr zum dritten Mal eingeführten Neoplan Skyliner oder auch den Van Hool/Scania Astromega. Gerade hat die Bahn acht neue Setra-Doppel decker für ihre Marke IC Bus in Betrieb genom men, allesamt mit Euro 6 und Snack- und Ge tränkeautomaten. Interessanterweise werden die meisten Busse zwar in einer Vier-Sterne-Konfi guration ausgeliefert, beworben wird diese Tat sache aber nicht. Die entsprechenden gbk-Bei träge (gbk: Gütegemeinschaft Buskomfort) für die Sterne-Klassifizierung sparen sich die meis ten Linienbetreiber dann doch lieber. Nicht gespart wird bei der Sicherheit. Hier wird alles verbaut, was ab Werk zu haben ist oder teuer zugekauft und nachgerüstet werden muss, wie im Falle ADAC Postbus. Soweit die Hersteller die Systeme anbieten, werden ESP, Abstandstempomat, Spurwächter und auch der Notbremsassistent eingebaut. Den Dauer bremslimiter, der selbst im Gefälle die Höchst geschwindigkeit zuverlässig einhält, bieten immer noch nur die deutschen Hersteller an, Brandschutz-, Brandmelde- oder -löschanlagen sind dagegen mittlerweile weitgehend Standard. Eine etwas eigene Philosophie in Sachen Gurte leistet sich der ADAC, der serienmäßig Drei- Punkt-Gurte verbaut, auch wenn in der Bran che der Beckengurt als die sicherste und beste Alternative gilt. Mein-Fernbus und IC Bus gehen ähnliche Wege im Unterdeck ihrer Doppeldecker, auch um Kindersitzen festen Halt zu ermöglichen. Dass der ADAC hier eventuell zu sehr in Pkw- Maßstäben denkt, sieht man auch daran, dass er auf seiner Sicherheitskarte für den Fahrgast offenbar ESP mit EBS verwechselt und sich nicht recht entscheiden kann, ob er nun das Aufstehen im Bus ganz verbieten oder nur die Nutzung der Haltegriffe vorschreiben soll. Der Fernbusmarkt katapultiert den guten alten Reisebus in die Moderne. Sein Erfolg ist vor allem der jungen Zielgruppe und den beson deren Einsatzbedingungen zu verdanken. Doch auch die Wiederentdeckung von bisher fast ver gessenen Konzepten wie dem Unterflurcock pit ist sehr zu begrüßen und wird in der Bran che genau beobachtet. Man darf gespannt sein, welche technischen und unternehmerischen Neuerungen noch aus der Pioniertat der drei Studenten vom Bodensee folgen werden. ◼ Das Inklusionsgesetz könnte Doppeldeckern und Unterflurcockpits zur Renaissance verhelfen 1 Priorität eins: funktionierendes WLAN für mobile Endgeräte. 2 Entertainment kommt meist vom eigenen Laptop. 3 An „Heavy-Duty“- Toilettenlösungen wird gearbeitet. Der Bedarf wurde unterschätzt. Frank Koschatzky, Vertriebsleiter bei Scania: „Auf dem Ausflugsmarkt ergeben sich bereits höhere Preise für die Fahrgäste durch den Fahrzeugmangel. Die Kapazitäten werden dem Fernbusmarkt zugeschlagen.“ Kommentar Es wurde einfach höchste Zeit, dass der Bus als effizientes und günstiges Fernreisever- kehrsmittel seinen rechten Platz zugewiesen bekommen hat.Endlich erkennen auch junge Leute, dass nicht nur Oma und Opa mit dem Bus gut nach Hintertupfingen zur Butterfahrt gondeln können, sondern auch sie selbst bestens unterwegs sind: bequem, günstig, sicher und klimaschonend, teilweise sogar klimaneutralisiert mit Zertifikat. Und, was immer wichtiger ist, always online! Sicher, den großen Reibach werden die Betreiber mittelfristig nicht machen. Aber nach einer zu erwartenden Marktbereinigung werden vom Fernbusmarkt weiterhin gute Ideen und Konzepte ihren Ausgang nehmen wie die Renaissance von Doppeldeckern und das Un- terflurcockpit. Schon machen auf Facebook wilde Fahrer-Ideen von Gelenkdoppeldeckern und Mehrklassen-Innenräumen die Runde. Gemach, will man ihnen zurufen! Weniger Gemach sollten die Hersteller derweil beim Thema Connectivity und Telematik an den Tag legen. Wer hier nicht kurzfristig eigene Systeme anbieten kann, wird bald nur noch zuschauen können, wie sich Zulieferer in dem Zukunftsmarkt eine goldene Nase ver- dienen. Hier sollte die Busbranche wiederum von den Pkw-Kollegen ler- nen. Die machen gerade vor, wie es geht. Thorsten Wagner, Testredakteur 3 2 1 lastauto omnibus bus & coach 2014 märkte | Trends im Fernlinienverkehr [ 9 ]