passend, zumal Mercedes von Hause aus kei- ne überlange Achsübersetzung wählt. Der Tra- vego schnürt mit 1.280 Touren über die Auto- bahn, verträgt den höchsten Gang auch mit 80 Sachen auf schnellen Bundesstraßen. Hervor- stechend sind die schnellen und extrem kom- fortablen Gangwechsel. Schaltungen zwischen den Gängen sieben und acht sind nur am Dreh- zahlmesser und an der Frequenz des Motor- geräuschs spürbar. In den unteren Stufen hilft sich die Technik beim Abwärtsschalten mit ei- nem Schubs Zwischengas. Im Unterschied zum Vorgänger ist auch die Bedie- nung per Lenkstockhebel sofort eingängig. Ma- nuelle Eingriffe sind nur sehr selten notwendig. Überflüssig erscheint gar der mögliche Wech- sel in den Power-Modus mit 200 Touren höhe- ren Schaltdrehzahlen, derlei Aktionismus hat der Dicke im Heck nicht nötig. Aber die Kick- down-Stellung des Gaspedals könnte etwas stärker ausgeprägt sein: Auf stark welliger Pis- te rutscht der Fuß mitunter ungewollt von Voll- gas über die Sperre in Kickdown. Trotzdem: No- te eins für das Getriebe der Edition 1. Zumal Motor und Getriebe so aufeinander ab- gestimmt sind, dass daraus ein außergewöhnlich niedriger Kraftstoffverbrauch resultiert. Beson- ders gut schnitt der Travego auf Etappen ab, auf denen er gefordert war. Trotz Winterreifen fuhr der Testwagen einen Rekordwert heraus: Noch nie erreichte ein Dreiachser auf der anspruchs- vollen Teststrecke einen Schnitt von nur 30 Li- tern. Note eins, ganz klar. Natürliche Heimat eines Dreiachser-Hochdeckers aber ist die Langstrecke. Hier zieht der Gelb- Schwarze souverän dahin, weitgehend frei von Windgeräuschen, mit leisem Motor und sehr ru- higem Fahrwerk. Auch abseits von Fernstraßen schlägt sich der überraschend handliche Travego tapfer. Sein Fahrwerk agiert hier ebenfalls ver- bindlich, auch wegen einer Nachlaufachse mit Einzelradaufhängung. Wer genau hinhört, ver- nimmt vorn mitunter leichte Poltergeräusche. Die Fußbremse verlangt einen festen Tritt, ist nicht ganz so perfekt dosierbar wie der kräfti- ge, wenn auch hinten im Fahrgastraum nicht ge- rade leise Retarder. An ihm missfällt der etwas grobe und laute rastende Bedienhebel, das geht auch feinfühliger. Ergibt Note eins bis zwei. Bleibt der Fahrgastraum, bei der aktuellen Ent- wicklungsstufe eine Konstante. Mit seiner Innen- höhe setzte der Ur-Travego einst Maßstäbe, an- dere haben aufgeholt. Die Sitze sind gut, aber die skulpturartigen Service-Sets ebenso in die Jah- re gekommen wie die Deckengestaltung. Plus- punkte sammelt der Travego unverändert mit seinen zwar hoch angesiedelten und recht fla- chen, aber sehr breiten Gepäckablagen, sie schlu- cken den Testkoffer mühelos. Sehr angenehm ist die Geräuschkulisse. Die nominell eher mäßi- gen Werte täuschen, denn im Hintergrund san- Meinung Noch nie war er so wertvoll wie heute: Immer wieder setzt der unermüdliche Travego durch eine kontinuierliche Modellpflege neue Meilensteine. Die Kombination aus neuem Antriebs- strang und noch- mals weiterentwickelter Sicherheitstechnik setzt wieder einmal Maßstäbe. Geboren als Sondermodell mit kleiner Auflage von 25 Ex- emplaren, firmiert die Edition 1 mit Euro 6 in- zwischen als serienmäßige Top-Ausführung der Baureihe. Auch wenn es die Reisebusse der Luxusklasse zurzeit nicht ganz einfach haben: Man braucht Leuchttürme wie den Travego, der sich gleichzeitig im Rahmen seiner langen Bauzeit als grundsolider und verlässlicher Geschäftspartner bewährt hat. Randolf Unruh, Testredakteur gen die Winterreifen ihr Lied. Macht unter dem Strich eine zwei bis drei für die Edition 1. Insgesamt nimmt der Travego auch im reifen Alter von fast 14 Jahren eine Spitzenposition in seiner Klasse ein. Die neue Antriebs- und Sicher- heitstechnik setzt Maßstäbe. Manche Reisebus- se altern eben nicht – sie reifen. Nach G-Klasse, Vario und 100er-Unimog ist der Travego mitt- lerweile der älteste Mercedes im weitgespann- ten Programm. Die anderen munteren Senioren gelten längst als Kultfahrzeuge, der Travego ist auf dem besten Weg dorthin. ■ 1 Typisch für Euro 6 ist die ausladende Abgas- anlage auf der linken Seite des Travego. 2 Sanfter Lauf dank Common Rail und zweiter Druckstufe in den Injektoren. 3 Die bullige Maschine türmt sich mit oben liegenden Nockenwellen hoch im Heck auf. Erkennungsmerkmal der Edition 1 sind die markanten Entlüftungskiemen im Heck. 3 2 1 lastauto omnibus 3/2013