löchern heraus. Jetzt komplettiert die Marke das Programm, zum Bei- spiel mit einem Low Entry oder der Kurzfassung mit 10,5 Meter Länge. Weitere Neuheiten folgen: Bus-Chef Hartmut Schick deutet einen größe- ren Capacity an, die Rede ist von zwei Metern mehr. Das beseitigt ein Problem des Vierachsers: Er kennt nicht das Gewichtsproblem klassi- scher Gelenkbusse mit einer Hinter- achse, doch bei 19,5 Metern hält sich der Zuwachs an Fläche in Grenzen. Wie’s geht, zeigt das Mercedes-Ca- pa-Chassis in Brasilien: Die vierach- sigen Gelenkbusse wuchern auf 23 Meter Länge heran. Sie haben das Zeug, Doppelgelenkbusse zu ver- drängen. Auf den Gelenkbus ist auch VDL gekommen, der Stadt- bus Citea bekommt Zuwachs mit einer XL-Variante. Den neuen SLFA gibt es mit 18,0 und 18,75 Metern. Während westeuropäische Mar- ken Flaute schieben – Göppel war insolvent, Viseon und Pucher/ Auwärter sind es (Stand Redak- tionsschluss), dazu steckt man- cher Italiener und Spanier in hef- tigen Turbulenzen – gibt es eine Gegenbewegung. Göppel ist nun russisch. Die einst jugoslawische Marke TAM taucht nach dem slo- wenischen Fabrikat TVM nun als TAM-Durabus wieder auf – mit ei- nem chinesischen Investor. Der Schweizer Bahnspezialist Stadler und Belkommunmash aus Weißrussland haben ein Gemein- schaftsunternehmen mit Fertigung in Minsk gegründet – prompt bie- tet Stadler den Vitovt Max Duo an, einen Duo-Bus mit dieselelektri- schem Antrieb per Oberleitung und Dieselgenerator. Optik und Fahrer- position über der Vorderachse zei- gen einen Hauch VDL Phileas. Die Beplankung besteht aus Verbund- werkstoff. In Europa angekommen ist BYD (Build Your Dreams). Man schleust seinen vollelektrischen Stadtbus jetzt in den Probebetrieb verschie- dener europäischer Metropolen. Angekündigt ist eine Fertigung in Bulgarien. Und dann wäre da Youngman, Investor bei Viseon, vor allem aber chinesische Marke mit einer Fertigung von mehr als 5.000 Bussen im Jahr plus Pkw- und Lkw-Produktion. Die Busse basie- ren, man sieht es, zum guten Teil auf Neoplan-Lizenzen. Und was nicht von Neoplan stammt, das schaut wenigstens nach Neoplan aus. Kennern der Marke wird selbst die Vorderachse der Reisebusse be- kannt vorkommen. In Asien ist Youngman stark, auch in den arabischen Ländern und in Südamerika. Mit Viseon hat man sich zwar zunächst ein blau- es Auge geholt, doch es geht wei- ter: „2015 greifen wir in Europa an“, verkündet Karlheinz David, Tech- nikchef von Youngman. Ein ehema- liger Neoplaner, versteht sich. ■ Von Visionen und der Marke Viseon Viseon-Pleite: Kaum schien Viseon über den Berg, meldete man Insolvenz an. Die Partner sind verärgert. Wer Visionen hat, soll laut Alt- kanzler Helmut Schmidt zum Arzt gehen. Wer Viseon hat, dem geht’s zurzeit nicht besser. Ende April hat die junge Marke der ehe- maligen Neoplan-Chefs Joachim Reinmuth und Ernö Bartha am einstigen Neoplan-Standort Pils- ting in Niederbayern Insolvenz angemeldet. Während bis zum Redaktionsschluss heftig an ei- ner Rettung gearbeitet wurde, gab es auf Veranstaltungen wie dem UITP-Kongress für Viseon-Partner reichlich Gesprächsstoff. Stichwort MAN: Die Auftrags- fertigung des neuen Doppelde- ckers Neoplan Skyliner lahmte schon vor der Insolvenz – Viseon vermisste Aufträge, MAN dage- gen Qualität in der Ausführung. Von Beginn an vertraglich verein- bart war die Verlagerung des Sky- liner ins MAN-Werk Plauen mit ei- nem weichen Übergang. Nun legt der Skyliner eine lange Pause ein. Auch, weil MAN jetzt eigene Mo- dule für Euro 6 neu entwickelt – ebenfalls kein Ruhmesblatt. Die Vertriebler sind stocksauer – ein spektakulärer Fehlstart des eben- so spektakulären Riesen. Vergrätzt ist auch der chine- sische Viseon-Mehrheitseigner Youngman. Ende letzten Jahres über eine Kapitalerhöhung mit 74,9 Prozent für angeblich 9,6 Millionen Euro eingestiegen, ist das Geld jetzt schon futsch. Aus Viseon-Kreisen lässt man verlau- ten, dass fürs Frühjahr weitere Gel- der verabredet waren. Aus Rich- tung Youngman heißt es aber, von festen Zusagen könne keine Rede sein. Ohnehin sei die Beteiligung eine einsame Entscheidung des Youngman-Chefs Pang Qingnian gewesen – er kannte Reinmuth und Bartha seit der Youngman-Grün- dung, die auf Lizenzen von MAN/ Neoplan basiert. Das klingt nach einer emotionalen Entscheidung. Leidtragende sind Kunden und rund 280 Mitarbeiter. Den ei- nen fehlen Omnibusse, die stehen mangels Material halbfertig in der Produktion. Den anderen drohen die Arbeitsplätze verloren zu ge- hen, wenn nicht in letzter Minute Geld für eine Transfergesellschaft aufgetrieben und dann ein Inves- tor gefunden wird. Rund 100 Omnibusse hat Vi- seon im vergangenen Jahr gebaut und bei 34 Millionen Euro Um- satz nach Aussage von Insidern einen höheren einstelligen Milli- onenbetrag an Verlust eingefah- ren. Bereits im Geschäftsbericht 2010 tauchte ein „nicht durch Ei- genkapital gedeckter Fehlbetrag“ auf. Sprich: Viseon war schon da- mals überschuldet. Wie es heißt, hatte der ehemalige Anteilseigner und Auftraggeber MAN damals bereits auf Gelder verzichtet. Wie’s ausgeht, war bis Redak- tionsschluss nicht sicher. Quer- oder Längsmotor, beim Urbanway ist beides möglich. Heller Fahrgastraum, ungewohnt geradlinige Haltestangen. Neue Busmarken und Investoren drängen jetzt nach Westeuropa lastauto omnibus 8/2013