Aufstieg in Die Erste Liga Fahrbericht: Der Iveco Magelys als neuer Mannschaftsbus des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt fällt nicht nur optisch aus dem Rahmen. M itunter bremsen die Ein- tracht-Fans den unüberseh- baren Hochdecker fast aus. Sie zücken im Vorbeifahren Han- dys, filmen, fotografieren und win- ken aus dem Autofenster, was das Zeug hält. Busfahrer Rolf Gewehr hat vom gegnerischen Lager aber auch schon den Stinkefinger gese- hen. Und weiß, wo er bei Auswärts- spielen in Bundesligastädten sicher parken kann, damit sein Bus heikle Touren ohne hässliche Schrammen und Schmierereien übersteht. Fuß- ball ist Himmel und Hölle, Sieg und Niederlage, pure Emotion. Und nicht immer fair. Emotion verkörpert auch der neue Mannschaftsbus von Eintracht Frankfurt. Irisbus – inzwischen in Iveco Bus umgetauft – ist in die Phalanx von MAN, Neoplan und Mercedes eingedrungen, hat sich einen Platz in der ersten Liga gesi- chert. Alfa Romeo sponsert die Ein- tracht, da liegt ein Mannschaftsbus von Iveco nahe. Zumal der Vorgän- ger inzwischen reif für einen Trans- fer schien. Der Neuzugang ist nicht irgendeiner, beim Stadionfest zum Saisonauftakt war er nach dem Team das beliebteste Fotoobjekt. Klar, denn dieser ganz speziel- le Hochdecker erinnert an beste Handwerkskunst wie ein gekonn- tes Kurzpassspiel auf dem Rasen. Die drei Monate zwischen Ende März und Ende Juni wird Iveco- Vertriebsmann Jörg Nolden jeden- falls nicht vergessen. Zwischen der Entscheidung für den Mannschafts- bus und der Übergabe am 22. Juni an die Eintracht lag ein Drahtseil- akt. Fußballbusse sind schließlich außen wie innen höchst individuell gestaltet. Ein Glücksfall also, dass der frühere Mitarbeiter von Edel- Ausstatter Frenzel auch das Ge- schäft der Omnibus-Individuali- sierung bestens kennt. Denn was hier gerade mit Tem- po 100 über die Bundesstraße 50 zum Heimathafen des Busunter- nehmens Bohr am Flughafen Frank- furt/Hahn zischt, fein gekleidet in eine Verlaufslackierung von Weiß bis Anthrazit, war ursprünglich ein silbriges Bestandsfahrzeug. Drin- nen mit gewohnter Bestuhlung und den bräunlichen Magelys- Kunststoffen, die einem französi- schen Innendesigner nur nach einer schlechten Nacht in Kombination mit Ehekrach und beruflicher Kri- se eingefallen sein können. Nolden trommelte Profis zusammen, vorneweg als Käufer die Busfami- lie Bohr, erfahren in VIP- und Fuß- ballbussen. Dazu Sitzhersteller Kiel, Innenausbauer Frenzel, No- wa zur Überarbeitung des Interi- eurs, Heymann für eine komplet- te Folierung des Exterieurs. Heute leuchtet das Clubwappen von den Flanken, blickt der Eintracht-Adler mit scharfem Raubvogelauge vom Heckfenster hinunter. Als hätt’s im- mer so sein sollen. Innen nehmen die Kicker Platz auf edlen Sitzen mit roten Lederwangen und anthrazit- farbigen Stoffen mit silbernen Ein- sprengseln. Bei Bedarf klappen die Tische vor den Plätzen elektrisch um, verwandeln sich in gepolster- te Beinauflagen für die trainierten Waden von Stürmer Srdjan Lakic, Mittelfeldhünen Alexander Meier oder Torhütertalent Kevin Trapp. In der ausladenden Küche mit Kaffee- und Espressomaschine sowie zwei ausgelagerten Kühl- schränken warten Erfrischungen auf die Kicker. Es gibt reichlich Steckdosen für die heute übliche Unterhaltungselektronik junger Stars und eine DVD-Anlage mit drei Monitoren. Ein Vierter fährt auf Knopfdruck am Arbeitsplatz von Trainer Armin Veh vorn rechts aus. Dank DVBT-Fernsehempfang kann er während der Sportsendung ent- scheidende Spielszenen interpretie- ren. „Das sind normale Jungs, die machen ihre Arbeit“, sagt Fahrer Text: Randolf Unruh Fotos: KARL-HEINZ AUGUSTIN Busprofis haben den Magelys Pro für die Fußballprofis umgestaltet lastauto omnibus 10/2013 [ 108 ] Fahrzeuge | Iveco Magelys Pro