D er Kampf war mühsam, aber erfolgreich: Göppel ist wieder da. Knapp ein Jahr steck- te die kleine Traditionsmarke in der Insol- venz. Man hielt sich mühsam mit Reparaturen und wenigen Neufahrzeugen über Wasser. Das Problem: Wer Linienbusse fertigt, arbeitet vor allem mit öffentlichen Unternehmen. Aus de- ren Ausschreibungen wird man bei einer Insol- venz jedoch ausgeschlossen. Jetzt hat die Mar- ke wieder Bewegungsfreiheit. Neuer Besitzer ist Kirovsky Zavod aus St. Petersburg in Russland. Hinter dem Namen steckt ein vielseitig en- gagierter Stahl- und Maschinenbaukonzern mit mehr als 6.000 Mitarbeitern und gut einer hal- ben Milliarde Euro Umsatz. Im Unterschied zu Traktoren und Landmaschinen sind Omnibusse für die neuen Besitzer noch ein Fremdwort. Das wird sich schnell ändern: Russland war Partner- land auf der Hannover Messe Anfang April – und Göppel deshalb kurzfristig präsent. Mit Ka- talogen auch in kyrillischer Schrift, versteht sich. Das ist neu,anderes unverändert, etwa der umtrie- bige Geschäftsführer und ehemalige Anteilseig- ner Bernhard Schmidt, zum Redaktionsschluss noch als Berater engagiert. Ihn flankiert Micha- el Elias, bereits Chef des Mönchengladbacher Maschinenbauers Monforts. Ihn hatte Kirovsky ZavodAnfang des Jahres übernommen. Fast un- verändert ist auch die Belegschaft von Göppel. Trotz Insolvenz sank sie nur um ein Dutzend auf 120 Mitarbeiter. Ebenso bleiben die beiden Stand- orte. In Nobitz/Ehrenhain in Thüringen wird in einem ehemaligen Neoplan-Werk gefertigt, im einstigen Stammhaus in Augsburg entwickelt. Auch am Programm wird Göppel zunächst keine Änderungen vornehmen. Midibusse für MAN, die Stadtbus-Baureihe Go4City und als Besonderheit der spektakuläre Doppelgelenk- bus namens Autotram (Bild oben). Riesenbusse sind auch Anhängerzüge, ebenso eine Göppel- Spezialität. Ein Beispiel für die Überlebenskunst von Göppel während der Insolvenz: Im Sommer wird die Stadt München zehn Anhängerzüge er- halten, eine Kombination aus Solaris Urbino mit Göppel-Anhänger. Die Zusammenarbeit liegt nahe. Geschäftsführer von Solaris Deutschland ist Jens Ludwigkeit, einst kurzzeitig Göppel- Chef neben Bernhard Schmidt. Mit der Göppel-Übernahme wird die deut- sche Omnibuswelt nochmals bunter. Göppel ist nun russisch, Viseon hat einen chinesischen Mehrheitseigner – ein Schlaglicht auch auf die eher labile Verfassung der Omnibusbranche.■ Text: Randolf Unruh | Fotos: Karl-Heinz Augustin Zurück auf der BühneNeustart: Bushersteller Göppel ist aus der Insolvenz zurückgekehrt. Eigner ist jetzt ein russischer Konzern. Das Programm von Göppel steckt voller Bus-Spezialitäten und bleibt unverändert. [ 58 ] märkte | Eigentümerwechsel bei Göppel