100 km/h, auf der Überlandetappe genau 80 km/h. Bei jeweils 315 kW (428 PS) Leistung und 2.100 Nm Drehmoment sowie Powershift- Getriebe und identischer Übersetzung kamen sich die Busse nicht zu nahe. Die Klimaanlage blieb bei den Hochdeckern ausgeschaltet, um Verzerrungen im Verbrauch zu vermeiden. Trotz minutiöser Planung: Gleich in der ersten Nacht drohte der Zufall dem Record Run einen bösen Streich zu spielen. Wegen eines schwe- ren Unfalls genau zwischen den beiden Setra wurde die Autobahn für mehr als zwei Stun- den komplett gesperrt. Glück im Unglück: Der erste Bus fuhr nach einer Benachrichtigung über den Zwischenfall auf den nächsten Rasthof und stand still. Gleichzeitig verzerrte wegen der Voll- sperrung kein Stop-and-Go des zweiten Hoch- deckers den internen Wettbewerb. Es blieb in- nerhalb dieser Woche der einzige Zwischenfall, auch gab es nur wenige Staus. Reuters Nachtschicht führte von Leipzig in ei- nem weiten Bogen über Potsdam nach Hamburg. Macht hin und zurück 922 Kilometer mit einer Höhendifferenz von 170 Metern. „Eine leicht hü- gelige bis ebene Strecke“, erinnert sich Reuter, al- les Autobahn über A 9, A 10 und A 24. Der Hö- henunterschied auf der Strecke summiert sich auf 3.581 Höhenmeter pro Nacht. Abwechslung bot ein Fahrzeugwechsel: Täglich tauschten die Fah- rer zwischen den Bussen mit Euro 6 und Euro 5. Komplizierter und auch anspruchsvoller lief die Rundreise der Tagschicht. Sie führte von Leipzig über Erfurt, Schweinfurt und Bayreuth nach Dresden, weiter bis Bautzen und zurück nach Leipzig. Macht 881 Kilometer, eine Samm- lung von sieben Autobahnen, einen gehörigen Anteil Bundesstraßen und nicht zuletzt 557 Me- ter Höhendifferenz. Sie addierten sich auf statt- liche 6.665 Höhenmeter pro Umlauf. Die unterschiedliche Streckenführung sowie der höhere Verkehr tagsüber führten zu deut lichen Verbrauchsunterschieden. Kamen die beiden Busse auf der flacheren Nordroute im Schnitt mit 19,7 Liter pro 100 Kilometer aus, so stieg der Dieselkonsum auf der härteren Südroute um gut 15 Prozent auf 22,8 Liter. Spannender war aber, wer über die gesamte Stre- cke einschließlich An- und Abfahrt von und nach Wies- baden die Nase vorn hatte: Der Setra S 515 HD nach Abgasstufe Euro 5 schluck- te über 6.800 Kilometer nur 21,0 Liter pro 100 Kilome- ter im Schnitt. Er unter- bot damit seinen internen Wettbewerber, den Setra S 415 GT-HD, deutlich um 8,2 Prozent. Er verbrauch- te 22,9 Liter. Damit übertraf der neue Setra auf der ge- mischten Strecke die Vorga- be klar. Sein ursprüngliches Ziel hieß, das Vorgängermodell um fünf bis sechs Prozent zu unterbieten, auf den ersten Blick am- bitioniert genug. Der deutliche Vorteil zugunsten von Euro 6 zog sich über alle Etappen hinweg. Spannend sind die einzelnen Abschnitte im Detail. So kristal- lisierte sich auf den reinen Autobahnstrecken einschließlich der An- und Abfahrtsstrecke zu den Messtouren ein Vorteil von etwa acht bis zehn Prozent für den neuen Setra der Comfort- Class 500 heraus. Mit 5,9 Prozent fiel der Unter- schied zugunsten des Neuen auf der Überland- strecke spürbar geringer aus. Des Rätsels Lösung gibt ein Blick auf die Geschwindigkeiten: Insge- samt fuhren die Reisebusse einen Schnitt von 90,1 km/h heraus. Auf der Bundesstraße, sie machte einen Anteil von acht Prozent aus, be- lief sich die Durchschnittsgeschwindigkeit dage- gen auf lediglich 49,4 km/h. Bei diesem Tempo kann der Neue seine entscheidenden aerodyna- mischen Vorteile nur begrenzt ausspielen – ein wichtiger Hinweis auch für Käufer. Sie werden, da beide Modelle vorerst parallel gebaut werden, zum Rechner greifen. Ein Vor- teil von zwei Liter pro 100 Kilometer zugunsten von Euro 6 bedeutet bei 60.000 Kilometern im Jahr 1.000 Liter oder netto rund 1.250 Euro. Vor- teil Euro 6, nach acht Jahren wäre die Mehraus gabe wieder drin. Hinzu kommen die generellen Vorzüge der neuen Baureihe für Fahrer, Fahr- gäste und Unternehmer. Bei höherer Kilometer- leistung klappt die Amortisation entsprechend schneller – ein klares Plus für Kilometerfresser. Auch Fabian Reuter hatte der Record Run ge- packt: „Das hat unheimlich viel Spaß gemacht. Es ist schön, wenn man in der Konstruktion ar- beitet, die Fahrzeuge auch mal in der Praxis zu erleben“, fasst der 28-jährige Ingenieur seine Erlebnisse zusammen. Seine Hausstrecke zwi- schen Leipzig und Berlin ist ihm nach kurzer Zeit in Fleisch und Blut übergegangen, „die Stre- ckenkenntnis steigt mit der Zeit“. Kannte Reu- ter nach den Tagen die Strecke im Schlaf? „Nein, im Wachsein, nur die Hälfte im Schlaf“, kontert der Daimler-Mitarbeiter schlagfertig. ■ Auf der Autobahn spielt der Setra seine Aerodynamik-Vorteile aus. Die Position an der Tankstelle war für beide Busse auf den Zentimeter genau festgelegt. Bei jedem Tankstopp Kontrolle durch Dekra- Mitarbeiter nach einer langen Checkliste. Die beiden Setra fuhren rund um die Uhr, die Fahrer wechselten sich mehrfach ab. lastauto omnibus 1-2/2013 spezial | Verbrauchsvergleich – Setra Comfort-Class [ 19 ]