V or rund fünf Jahren hatten dreiAbsolventen einer süddeutschen Privatuniversität, die frisch vom Auslandssemester in die Hei mat zurückkamen, die naheliegende Idee, auch in Deutschland Fernbuslinien anzubieten. Die waren bis dato durch ein so antiquiertes wie pro tektionistisches Gesetz von 1931 verboten. Mit jugendlicher Energie und unternehmerischem Elan machten sie sich ans Werk und gründeten das Unternehmen Yourbus. Klagen der Deut schen Bahn (DB) und Skepsis allenthalben konn ten die Jungunternehmer nicht aufhalten. 2011 bekamen die Innovatoren Recht zugesprochen und weitere zwei Jahre später fiel das Monopol der Bahn auf den Fernlinienverkehr. Heute muss sich das mittlerweile als DeinBus firmierende Unternehmen bereits gegen starke Konkurrenz verteidigen. So spielen Großkon zerne wie die Bahn selbst, die Deutsche Post, der ADAC oder auch Daimler direkt oder indi rekt mit. Die Erfolge sind beachtlich: Schon 2013, dem ersten Jahr der Öffnung, hat sich der Fern busmarkt mit geschätzten neun Millionen Kun den gegenüber der bisher alleinherrschenden Bahn mit rund 130 Millionen Kunden im Fern verkehr durchaus behauptet. Die Vorteile liegen für viele Kunden klar auf der Hand: Günstige Preise, direkte Verbindun gen von kleineren Städten und nicht zuletzt der persönliche Service an Bord sind Argumente für den Fernbus. Auch die Politik hat erkannt, welch geschickten Schachzug sie hier für die Mobilität von schwa chen Einkommensgruppen und auch für den Umweltschutz getan hat. So steht Bundesver kehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) offen bar immer noch zur Aussage, dass er derzeit kei ne Erweiterung der Maut auf Busse plane, auch wenn ansonsten kaum ein Nutzer deutscher Au tobahnen ab 2016 an diesem Zwangs-Obolus vorbeikommen wird. Er wolle diesen neuen und preissensiblen Markt nicht abwürgen. Tatsächlich steigerte sich die Zahl der Fern verbindungen von 87 Ende 2012 – also vor der Liberalisierung – auf 221 Ende 2013 und noch mals auf 247 Ende April dieses Jahres. Ein Ende des Booms ist nicht absehbar, weitere An träge liegen vor. Das Konzept kommt an, der Bundesverband der Omnibusunternehmer (bdo) spricht sogar von einem „Imageschub für die gesamte Branche“. In seinem jährlichen Konjunkturbarometer un tersucht der Verband auch die Stimmung seiner Mitglieder im Fernlinienverkehr: Rund 51 Pro zent sehen demnach die Geschäftslage als befrie digend an, 28 Prozent als gut und 21 Prozent als schlecht. Jubelstimmung sieht anders aus. Der Blick auf die Gewinnsituation mag das zum Teil erklären: Nur bei elf Prozent der bdo- Mitglieder sind die Gewinne im Fernlinien geschäft gestiegen, bei 34 Prozent jedoch ge sunken, und das obwohl die Fahrgastzahlen bei 28 Prozent der Firmen sogar höher waren als im Text: thorsten wagner Fotos: thorsten wagner, ADAC Postbus, daimler, Deinbus, Flixbus, Mein-fernbus Fernbuslinien auf dem DurchmarschBranche: Kaum eine andere Neuerung hat in den vergangenen Jahren den Reisebusmarkt derart beeinflusst wie die Öffnung des Fernlinienverkehrs in Deutschland. Wer sind die Kunden, was zeichnet den idealen Fernlinienbus aus und wer wird am Ende überleben? lastauto omnibus bus & coach 2014 [ 6 ] märkte | Trends im Fernlinienverkehr